Im Rahmen meiner Nachforschungen zum Thema historische Feldbahnen habe ich für meine Beamer-Präsentationen speziell zum Thema "Trümmerräumung in Pforzheim" ein Anschauungsmodell gebaut. Nachfolgend der Bericht der Pforzheimer Zeitung.

Andreas Grüner hat ein Modell der Trümmerräumung  in Pforzheim gefertigt.   Foto: Ketterl     mit Bildergalerie


Andreas Grüner hat ein Modell der Trümmerräumung in Pforzheim gefertigt. Foto: Ketter

Trümmerräumung im Miniaturformat

Pforzheim. Ein Mann im Unterhemd kippt den Schutt auf eine Lore, vor einer Häuserzeile sitzen Frauen und reinigen Backsteine, in einem Innenhof spielen Kinder, für eine Feldbahn ist ein Schienengleis in der schmalen Straße verlegt, an der gerade ein paar Flüchtlinge aus den Ostgebieten ankommen – so könnte es im Herbst 1947 auch an der Werderstraße ausgesehen haben.

Pforzheim. Ein Mann im Unterhemd kippt den Schutt auf eine Lore, vor einer Häuserzeile sitzen Frauen und reinigen Backsteine, in einem Innenhof spielen Kinder, für eine Feldbahn ist ein Schienengleis in der schmalen Straße verlegt, an der gerade ein paar Flüchtlinge aus den Ostgebieten ankommen – so könnte es im Herbst 1947 auch an der Werderstraße ausgesehen haben.

Andreas Grüner hat für sein Modell der Trümmerräumung als Hintergrundbild ein Originalfoto des zerstörten Wohn- und Geschäftsgebäudes des Galvaniseurmeisters Julius Winkler gewählt, in dem sich auch die Uhren- und Uhrgehäusefabrik Lacher&Co sowie im Hinterhof die Ringfabrik Theodor Emele befand.

Die Straßenszene selbst ist fiktiv. Aber so könnte es an der einen oder anderen Stelle zweieinhalb Jahre nach der Zerstörung Pforzheims ausgesehen haben: Das vordere Haus war nur geringfügig beschädigt worden, so dass in ihm ein Blechner wieder seinen Betrieb aufnehmen konnte. Derzeit wird das Dach gerichtet. Beim angrenzenden Gebäude sowie dem auf der gegenüberliegenden Seite wurde mit dem Aufräumen begonnen. Alles Verwertbare wird gesichert. Auch jeder einzelne Backstein wird überprüft, ob man ihn noch verwenden kann und dann gesäubert.

Andreas Gründer, beruflich als Projektleiter bei den Technischen Diensten des Landratsamts Enzkreis beschäftigt, gehört zu den knapp zehn Mitgliedern der Interessengemeinschaft Modellbahn-, Schmalspur- und Feldbahnfreunde Niefern-Öschelbronn, die sich im September 2003 zusammengeschlossen haben. Im Maßstab 1:87 (H0e/H0f) stellen sie den kompletten Arbeitsablauf verschiedenster Bahnen dar.

Fast 100 Stunden benötigte Grüner, um die Trümmerräumung in der Werderstraße darzustellen. Für die Häuser verwendete er heute nicht mehr gefertigte Bausätze der Firma Pola (Faller), die er über die Internet-Suche erwerben konnte. Die Figuren sind Rohlinge (Preiser), die er Stück für Stück selbst lackierte. Die Ziegelsteine, drei mal zweimal einen Millimeter klein, sind aus eingefärbter Pappe. Die Kipplore hat ein Clubkollege gefertigt. Und natürlich kann die Trümmerbahn vor- und rückwärts fahren.

Die „Arbeitsgemeinschaft Trümmerräumung Pforzheim ATP“ war Ende November 1945 gegründet worden. Ihre Arbeit begann wegen fehlenden Arbeitern und Hilfsmitteln langsam. Über die KF wurde entlang der Enz eine erste Gleistrasse ins Brötzinger Tal verlegt. Täglich konnten 350 Kubikmeter Schutt transportiert werden. Hinzu kamen später Aufbereitungsanlagen im Stadtgebiet. Im Oktober 1947 standen für 140 Arbeitskräfte vier Raupenbagger, 23 Feldbahnloks und 300 Rollwägen zur Verfügung. Für die rund 4,5 Kilometer hinaus vor die Tore von Brötzingen benötigte ein Zug ungefähr eine dreiviertel Stunde. Erst im mai 1956 war Pforzheim trümmerfrei. Über 2,5 Millionen Kubikmeter Schutt waren angefallen, abtransportiert oder aufgearbeitet worden.

Autor: Thomas Frei, Pforzheimer Zeitung 15.02.2012 in www.pz-news.de

Fotos, Ketterl, PZ

Ich sage vielen Dank an die Pforzheimer Zeitung.

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